Sterbezeit

...Dass dies überhaupt geschieht, ist nun die Krönung dieses Romans, etwas sehr Seltenes und Kostbares. Hätten wir "Sterbezeit" wenige Seiten vor dem Ende der Lektüre wegen der erneuten Vertracktheit seines Inhalts, dieser Infragestellung der eigenen Position in die Reihe der gelungenen Romane Norbert Horsts gestellt, so sorgt dieses Ende, das kein Ende ist, sondern der Anfang eines Geschenks des Autors an seine Leser, dafür, "Sterbezeit" als den bisher gelungensten Text Horsts zu loben. Das ist, bedenkt man das Niveau der Vorgängerromane, ebenfalls etwas Unerwartetes.

Dieter Paul Rudolph, Watching the Detectives

Musil schrieb über literarische Fiktionen im allgemeinen und Romane im besonderen, da ginge es nicht um das, was wirklich geschehen sei, vielmehr sei dies die Kunst des Möglichen. Ja, doch, all die Fälle, die Norbert Horst beschreibt, kommen mir denkbar, möglich vor. Wahrscheinlicher als all das normal-spektakuläre Zeug, das man sonst zwischen zwei Buchdeckeln findet, auf denen vorne "Kriminalroman" drauf steht, sind sie allemal. Und, was in meinen Augen viel wichtiger ist (manchmal ist Realismus was für Weicheier ... nicht bei N.H., aber generell schon): um Klassen literarischer ist das, was er schreibt, sowieso.

Mischa Bach, Stimmengewirr

Wie Norbert Horst all das zusammenfügt und zu einem pulsierenden Ganzen knetet, das ist das Beste an der Sache: Mit dem literarischen Mittel der Reduktion und Subjektivität; mit Hilfe eines Schreibens, bei dem jeder Satzfetzen sitzt, sitzen muss. Das Ergebnis: "Sterbezeit" besticht - durch eine Kargheit mit Substanz - und durch poetische Momente, die in diesem Boden wurzeln.

Ulrich Noller, WDR

... Seine Romane sind fein komponierte Literatur, keine schlichten Kolportagen aus dem Polizeialltag. Und ihre Intensität und Spannung gewinnen sie nicht aus dem exotischen Charakter des Plots und der exquisiten Brutalität des Täters, sondern aus ihrer Hauptfigur. Der Leser ist nah dran an Kriminalhauptkommissar Konstantin Kirchenberg (kein Trinker! kein übergewichtiger Diabetiker!). Der Leser ist mittendrin in dessen Gedankenwelt, einer chaotischen Fülle von Gedankensplittern, präzisen Beobachtungen, zynischen Reflexionen...

Anne Chaplet, Focus-Online